Stellungnahme zu den Hitler-Plakaten am IKEA Bauzaun

In den letzten Wochen wurden am Bauzaun des zukünftigen Ikea-Areals an der Großen Bergstraße Plakate angebracht, die sich satirisch mit der Umstrukturierung Altonas auseinandersetzen.
Mediale Beachtung erfuhr diese Aktion deshalb, weil eines der Plakate ein Bild Adolf Hitlers zeigte, zusammen mit dem Chef des Wehrmachtführungsstabes Alfred Jodel. Letzterer war maßgeblich an der Planung des Angriffs auf die Sowjetunion beteiligt. Die Deportationen der europäischen Jüdinnen_Juden bezeichnete Jodel als „staatliche Notwendigkeit“.

Wir sind uns dessen bewusst, dass ohne dieses Plakat die Aktion von der bürgerlichen Presse unbeachtet und somit einer breiten Öffentlichkeit unbekannt geblieben wäre. Ein Bild Hitlers zu verwenden ist dabei ein absolut sicheres Mittel, die gewünschte Aufmerksamkeit zu erregen.
Gründe dafür sind aber nicht die städtebaulichen Planungen im Nationalsozialismus, sondern die millionenfache, industrielle Vernichtung von Menschen, die im Sinne der „Nürnberger Rassengesetze“ als jüdisch galten, die Ermordung der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Homosexuellen, der damaligen Systemgegner_innen, Widerstandskämpfer_innen und deren Familien.
Auch wenn es von den Gestalter_innen der Bilder vielleicht nicht beabsichtigt war: Der gewünschte Werbeeffekt ist nicht zu haben, ohne die Opfer des deutschen Faschismus zu instrumentalisieren.

Wir lehnen eine solche Werbestrategie ausdrücklich ab.
Gerade im Land der damaligen Täter, in dem noch immer zu viele Menschen versuchen, einer ehrlichen Aufarbeitung zu entgehen, indem sie ihren Familiengeschichten einen erfundenen jüdischen Großvater oder eine Tante im Widerstand hinzufügen, anstatt sich der historischen Verantwortung zu stellen, darf es nicht hingenommen werden, dass die Funktionäre des NS zu beliebigen „Feindbildern der linken Szene“ reduziert werden, wie es die mopo als Reaktion auf die Plakate tut.

Die Anwohner_innen Initiative Altopia tut sich in Sachen Relativierung ganz besonders hervor.
Das Plakatmotiv verteidigend stellt sie auf ihrem Blog unter Anderem klar:

„Diese Planungen sind so unfassbar kaltherzig, dass es u.E. gerechtfertigt ist, mit dem satirischen Rückgriff auf den Gröbaz (grrrößten Bauherren aller Zeiten) diesen sogenannten „Masterplan“ für die NEUE MITTE ALTONA anzugreifen.“

(der gesamte Text ist unter http://altopia.blogsport.de/ nachzulesen – wir wollen den Quatsch hier nicht in voller Länge dokumentieren)

Bleibt nur noch zu sagen, dass wir als Kampagne für ein AZ in Altona die Erklärung Altopias für so unfassbar Geschichtsvergessen halten, dass wir jede Zusammenarbeit mit dieser Initiative für die Zukunft ablehnen.