Archiv für März 2012

IvI bleibt!!

Das Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) wurde 2003 am Campus der Frankfurter Goethe-Universität besetzt und wird seitdem von einer „Vielzahl an Gruppen und Initiativen […] für Konzerte und Ausstellungen, Lesekreise und Vorträge, Kongresse und Parties“ genutzt. Wie seit Ende Februar bekannt ist, steht die Universitätsleitung bereits seit längerer Zeit in Verhandlungen über den Verkauf der Institutsräume. Der Verkauf wurde weitgehend unter Ausschluss der (universitären) Öffentlichkeit abgewickelt, Mitarbeiter_innen und Nutzer_innen des IvI erfuhren erst aufgrund einer Anfrage des AStAs davon. Laut Presse soll das Gebäude im Sommer in den Besitz der Franconofurt AG übergehen.

Dass ein Verkauf das Ende des IvI bedeutet ist allen Beteiligten klar, auch die unzulänglichen Ausweichangebote der Universitätsleitung würden das Institut in seiner jetzigen Form nicht erhalten. Angesichts der erbärmlichen Lage des akademischen Forschungs- und Lehrbetriebs im Allgemeinen und der ohnehin höchst marginalen Möglichkeit kritischer Bildung, halten wir Orte der studentischen Selbstverwaltung aber für unbedingt notwendig um dem Elend im Student_innenmileu wenigstens ein bisschen kritisches Denken entgegenzusetzen. Den Anspruch des IvI, auch für Menschen außerhalb der Universität offen zu sein, unabhängig von deren „Status und soziale[r] Herkunft“, können wir nur voll und ganz unterstützen.
Schluss mit dem Abbau selbstverwalteter Strukturen! IvI bleibt!

Kampagne für ein AZ Altona
az4altona.blogsport.de

Website des IvI: http://ivi.copyriot.com
Solidaritätsblog: https://weloveivi.wordpress.com/

(K)ein Jahr ohne Autonomes Zentrum Altona

Am 23. April jährt sich zum ersten Mal die Besetzung des ehemaligen Finanzamtes in der Großen Bergstraße 264. Letztes Jahr versuchten dort mehrere hundert Menschen, in und vor dem Gebäude, sich ihr Recht auf Stadt zu nehmen und ein Autonomes Zentrum in Altona-Altstadt zu etablieren. Nach ca. 7 Stunden räumte die Polizei das „Autonome Centrum Altona Bahnhof“ und leitete Strafverfahren gegen die verbliebenen 40 Besetzer_innen sowie eine solidarische Person vor dem Haus ein.

Seitdem ist viel passiert im ehemaligen Finanzamt. Schon wenige Monate nach der Besetzung tönte Mark Classen (SPD) herum, er wolle ein „Kreativzentrum“ dort einrichten, um „Mehrwert für Altona“ zu schaffen. Zeitweise hieß das auch mal „Community Center“ oder „Creative Campus“, das Konzept bleibt das gleiche: Kulturelle und vor allem ökonomische Aufwertung des Stadtteils durch Akteur_innen aus der „Creative Class“ (Richard Florida). Das ist genau die Sorte Stadtentwicklung, die schon seit Jahren unter dem Label „Marke Hamburg“ die Gentrifizierung Altonas, des Schanzenviertels, St. Paulis und anderer Stadtteile vorantreibt. Laut einer Pressemitteilung des Senats sind nun zwei der vier Etagen durch die stadteigene Kreativ Gesellschaft an Mieter_innen aus der „Kreativwirtschaft“ vermittelt worden, eine dritte vermietet sie selber an das gleiche Klientel.

Viele scheinen noch zu denken an Aufwertung gäbe es nichts auszusetzen. Das Straßenbild wird sauberer, die baufälligen Gebäude werden saniert und die Läden freuen sich, weil mehr Kund_innen ins Viertel kommen. Aber wo viel Nachfrage ist, zieht es auch das Angebot hin, und es gibt keine unbegrenzte Zahl von Gewerbe- und Wohnräumen in Altona-Altstadt. Eine Mietsteigerung im Zuge der Gentrifizierung ist genauso unausweichlich, wie dass es Mieter_innen gibt, die sich keine Mietsteigerung leisten können. Die Kräfte des Markts sind keine schadlose Wunderheilung für das Schmuddelquartier, sondern befördern die Konkurrenz unter denen die dort wohnen und arbeiten. Die Grundeigentümer_innen und Vermieter_innen freut es, dass sie ihre Ware (Wohn- bzw. Gewerbeflächen) jetzt für noch mehr Geld verkaufen können. Der Rest darf sich um die neugebauten Sozialwohnungen und Gewerbeflächen in der Neuen Mitte Altona prügeln oder an den Rand Hamburgs ziehen. Von Bezirk und Stadt sind hierzu höchstens Lippenbekenntnisse zu erwarten, um Wähler_innenstimmen zu gewinnen.

Dass nun, neben IKEA und der Neuen Mitte, ausgerechnet der Wunsch nach einem Autonomen Zentrum für die Gentrifizierung Altonas instrumentalisiert werden soll, ist ein kluges Manöver des Bezirks. Entgegen den Fantasien eines Mark Classen, war es aber nie das Anliegen der Kampagne für ein AZ Altona, noch mehr leicht-verwertbaren Schickimickischeiß in Hamburg zu etablieren. Mit einem selbstverwalteten Zentrum soll ein Kontrapunkt gegen steigende Mieten, gegen Verdrängung und Aufwertung durch die Immobilien-Verwertungs-Koalition von Stadt und Unternehmen gesetzt werden. Wir wollen und brauchen einen Ort, an dem wir respektvoll und solidarisch miteinander umgehen, wo wir kritisch, kreativ und aktiv sein können und den Rahmen dessen selbst bestimmen! Wir sind Aktivist_innen aus Altona und Umgebung, die ein Autonomes Zentrum in Altona wollen und für absolut notwendig halten. Auf regelmäßigen Treffen diskutieren und entwickeln wir Ideen und beteiligen uns an der Realisierung eines selbstverwalteten Zentrums. Auch wenn das ehemalige Finanzamt zum „Creative Campus“ verkommt: Es gibt immer noch viel zu viel Leerstand in Altona!